GESCHICHTE
Los ging´s genauso wie bei allen anderen auch. Und weil das nun einmal so ist, definiert man sich ja immer über Zeit und Raum. Bei mir war das im September 1978, das Ganze wohl ziemlich früh ("Sorry, Mama!") und in Bad Oeynhausen, dem Herzen von Ostwestfalen. Das ist da, wo samstags in den Zügen nicht nur die Bahnhöfe, sondern auch die aktuellen Bundesligaergebnisse angesagt werden. Wo gibt's das heute noch?

Mit drei hatte ich meinen ersten festen Job: Kindergartenkind in der roten Gruppe! Zwar nur halbtags, aber damals war man ja froh über jede Beschäftigung. In der Grundschule hatte es sich mit den Farben allerdings schon wieder erledigt, der knallharte Alltag mit Zahlen und Buchstaben stand auf der Tagesordnung. Zum Glück blieb gerade noch genügend Zeit, um nebenbei ins Showgeschäft einzusteigen und eine Band zu gründen. Jede große Pause wurde der Schulhof gerockt, fünf Tage die Woche und mit meiner Tupperdose als Bass-Drum. Nur eine Tournee hat´s leider nie gegeben, da unsere Band am obligatorischen Schulwechsel zerbrach. Ob Sorgentelefone für weinende Erstklässler eingerichtet wurden? Kann ich nicht genau sagen, ich glaube aber, so was gab´s damals noch nicht.

Meinen ersten richtig großen Auftritt hatte ich bei der WM ´90! Leider nicht im Olympiastadion in Rom, dafür aber in der schalldichten Sauna meiner Eltern - bewaffnet mit Mikrofon und Kassettenrekorder als inoffizielles und wahrscheinlich weltweit einziges Double von Heribert Faßbender. ("Sorry, allerseits, aber ich geb´s wenigstens zu...!") Von da an bestimmte König Fußball mein Leben. Auf dem Platz und rundherum. Ich hab wirklich alles versucht, den Traum vom Fußballprofi, den in Deutschland jeder Junge wahrscheinlich mit der Muttermilch aufsaugt, wahr zu machen: mit Spezialtraining auf einem Acker, lebensgefährlichen Sit-Ups an meinem Hochbett und Ausdauerläufen bei Ozonwerten jenseits von Gut und Böse. Irgendwann aber das selbe Schicksal wie bei 17,5 Millionen anderen vor mir auch: Ausgeträumt, der Traum wurde abgepfiffen! Einziger Trost: wenigstens erst mit 22 Jahren und nicht schon mit 13. Und immerhin beim drittbesten Club der Republik: Hallescher FC! ( - nur die Bayern und Arminia stehen in meiner ewigen Tabelle noch vor der Chemie!)

Die Leidenschaft zum Sport ist trotzdem geblieben. Und außerdem war da ja auch noch die Liebe zum Mikrofon. Man nehme diese beiden Zutaten, gebe jede Menge live-Erfahrung und diverse Moderationsjobs hinzu. Würze das Ganze mit meinen berühmt-berüchtigten Auftritten als Hape Kerkeling-Imitator. Ein paar Mal kräftig durchschütteln und durch Umwege noch etwas reifen lassen: fertig ist der Tim Niedernolte von heute!